Lasst uns vom Lernen aus denken

Eindrücke vom Netzwerktreffen Digital@BBS in Stade

Wie unterschiedlich Schulen beim Thema KI gerade unterwegs sind, wurde mir beim letzten Netzwerktreffen Digital@BBS an der JOBELMANN-SCHULE in Stade noch einmal sehr deutlich.

Zum Einstieg hatte ich gefragt: Was bringst du heute ins Netzwerk ein? Welche Fragen beschäftigt dich? Welche Erfahrungen und Ideen möchtest du teilen?

Bei der Auswertung wurde deutlich, dass die Spannweite sehr groß ist. Einige Schulen stehen noch ziemlich am Anfang und überlegen, wie sie überhaupt strategisch mit KI und digitalen Endgräten umgehen wollen. Andere haben bereits Leitlinien entwickelt oder arbeiten an konkreten Konzepten. Und auch bei den Lehrkräften liegen teilweise Welten dazwischen: Während einige längst ausprobieren und weiterdenken, haben andere bisher kaum Berührungspunkte mit KI.

Entsprechend vielfältig waren die Fragen: Wie entwickeln wir KI-Kompetenz im Kollegium? Was bedeutet Eigenleistung, wenn KI selbstverständlich genutzt wird? Wie verändern sich Lernen und Leistung? Welche Regeln brauchen wir? Und wie kommen wir von einzelnen Aktivitäten zu einer gemeinsamen schulischen Richtung?

Erst das Lernen, dann die KI

Besonders spannend fand ich die konkreten Einblicke aus den Schulen.

Eine Kollegin stellte die KI-Leitlinie ihrer Schule vor und berichtete vom Entwicklungsprozess. Ein Kollege zeigte ein Projekt, bei dem ein Sprachmodell mit den Materialien des schulischen Lernmanagementsystems verbunden wird und Lernende ähnlich einem tutoriellen System individuell unterstützen kann.

Eindrucksvoll fand ich hier die Ausgangsfrage beim Start des Projektes: Was brauchen wir für individuelles Lernen?

Nicht: Was können wir mit KI alles machen? Sondern: Was brauchen unsere Lernenden, um gut lernen zu können?

Auch ich habe einen Einblick in meine aktuelle Arbeit zur Entwicklung einer KI-Strategie an einer BBS gegeben. Dabei arbeiten wir mit dem Golden Circle und beginnen bewusst beim Warum: Warum wollen wir uns mit dem Thema beschäftigen und was ist unser Ziel dabei? Erst danach geht es um das Wie und dann um konkrete Maßnahmen. Hintergrund dabei ist, dass ich beobachte, dass viele Schule einzelne Aktionen machen, wie z.B. einen pädagogischen Tag zu KI oder einen Leitfaden ins Kollegium geben. Diese Einzelaktionen führen aber am Ende nicht weit. Ich denke, dass es daher sinnvoll einen gemeinsamen Rahmen zur Orientierung und Gestaltung zu stecken und dabei immer vom Lernen aus zu denken und nicht von der KI aus.

Durchaus kontrovers haben wir auch über AIS Chat diskutiert. Eine kostenfreie, datenschutzkonforme und gemeinwohlorientierte KI-Lösung für Bildung finde ich grundsätzlich unterstützenswert und habe daher eine Lanze dafür gebrochen. Leider zeigt der aktuell umständliche Zugang in Niedersachsen über moin.schule, dass es wichtig ist, dass solche Lösungen sehr niedrigschwellig zur Verfügung stehen.

Was nehme ich aus Stade mit?

Am Ende war ich mit einem Punkt nicht ganz zufrieden.

Wir hatten zu Beginn viele Fragen, Erfahrungen und Themen gesammelt, im Laufe des Treffens aber längst nicht alle wieder aufgegriffen. Dabei fand ich gerade diese Vielfalt so spannend.

Ein Netzwerk lebt für mich davon, dass die Expertise und die Fragen der Teilnehmenden den Tag mitgestalten. Gleichzeitig möchte ich nicht, dass wir nur angeregt diskutieren und anschließend vieles im Raum bleibt. Im besten Fall gehen alle mit neuen Ideen, Beispielen, Kontakten oder Impulsen für die eigene Schule nach Hause.

Wie viel Struktur braucht es dafür und wie viel Offenheit?

Diese Frage nehme ich aus Stade mit. Für das nächste Netzwerktreffen haben wir wieder ein Barcamp geplant, um den Themen aus dem Netzwerk noch mehr Raum geben zu können.

Eines wurde mir wieder deutlich bei diesem Treffen: Es gibt viel, was wir voneinander lernen können.

Vielen Dank, für die anregende Gesprächsrunde!