Bewusster ins neue Schuljahr starten

Ich starte in dieser Woche erholt und mit vielen Ideen ins neue Schuljahr.

Und gleichzeitig habe ich erst beim Zur-Ruhe-Kommen in den Ferien gemerkt, wie sehr das vergangene Schuljahr an meinen Kräften gezehrt hat.

Es waren viele Termine, viele spannende Anfragen. Aber wenn ich genauer hinschaue, lag es auch an meinem eigenen Anspruch, möglichst viel möglich zu machen. Eine interessante Anfrage? Irgendwo wird schon noch ein Termin frei sein. Zwei Termine in einer ohnehin vollen Woche? Ein dritter geht auch noch irgendwie.

Geht er meistens auch. Die Frage ist nur: zu welchem Preis?

Für dieses Schuljahr habe ich mir deshalb vorgenommen, genauer hinzuschauen, bevor ich zusage. Habe ich dafür wirklich die zeitlichen Ressourcen? Passt die Anfrage zu dem, womit ich mich gerade beschäftigen möchte? Eine Anfrage darf interessant sein und trotzdem nicht in meinen Kalender passen.

Klingt banal. Fällt mir aber nicht ganz so leicht. Schon in diesen ersten Tagen merke ich, wie schnell ich wieder in meinen alten Modus komme: Wenn vieles interessant ist, will ich vieles möglich machen.

Deshalb kam mir heute spontan die Idee, mein Schuljahr mit einem Bullet Journal zu begleiten. Ich reflektiere und dokumentiere meine Arbeit schon lange, nicht zuletzt hier auf diesem Blog. Das Journal soll eine spontanere Form davon werden, ein Ort, an dem ich spontan festhalten kann, was gerade passiert.

Ich habe erste Seiten angelegt: ein Energiebarometer für das Schuljahr, mein Highlight der Woche, Platz für Ideen.

Energielevelseite im Bulletjournal

Dazu ein paar Fragen, die mich durch das Jahr begleiten sollen:

Was hat mir diese Woche Energie gegeben und was hat sie mir genommen?

Wo habe ich Ja gesagt, obwohl ein Nein besser gewesen wäre?

Und vielleicht am Ende jeder Woche nur ein Satz: Diese Woche hat mir gezeigt, dass …

Es geht mir nicht um Selbstoptimierung, sondern darum, mein eigenes Tun bewusster wahrzunehmen und daraus zu lernen. Wir erwarten von unseren Schüler:innen, dass sie Verantwortung für ihr Lernen übernehmen, ihren Prozess reflektieren, ihren eigenen Stand einschätzen. Aber wie konsequent machen wir das eigentlich selbst? Wann halten wir inne und schauen auf unser eigenes professionelles Lernen? Mein Journal ist ein kleines Experiment in diese Richtung.

So viel zum Plan, ruhig ins neue Schuljahr zu starten.

Mein erster Arbeitstag war ein Fortbildungstag zum Lernen im Kontext von KI, den ich mit einer Kollegin gestaltet und durchgeführt habe. Eine Frage war uns dabei besonders wichtig: Wie können wir Lernen so gestalten, dass Menschen in einer Welt mit KI handlungsfähig werden?

Ich merke, dass ich mich in diesem Schuljahr weniger mit KI als isoliertem Thema beschäftigen möchte und mehr mit dem Lernen selbst. Denn manchmal habe ich den Eindruck, wir gehen davon aus, KI sei „unser Problem“ in Schule. Dabei legt sie vor allem offen, dass einige unserer Fragen viel älter sind. Axel Krommer hat das neulich am Hase-Enten-Bild verdeutlicht: Wir sehen gerade vor allem den Hasen, die KI. Die Probleme, die sie zum Vorschein bringt, sind aber eigentlich Entenprobleme, die wir schon lange haben.

Die Lebenswelt unserer Schüler:innen hat sich verändert, KI und digitale Kommunikation gehören selbstverständlich dazu. In Schule spielen sie aber oft kaum eine Rolle oder wir begegnen ihnen vor allem als etwas, das eingeschränkt werden muss. Wissen ist heute anders verfügbar als noch vor wenigen Jahren. Schüler:innen brauchen weiterhin eigenes Wissen, auch um KI-generierte Antworten beurteilen zu können. Aber wir müssen genauer klären, welches Wissen Menschen wirklich verfügbar haben müssen und was sie damit tun können sollen.

Wir wünschen uns selbstständige Schüler:innen. Gleichzeitig gestalten wir Lernsettings, in denen wir ihnen viele Entscheidungen über Inhalte, Wege und Ergebnisse abnehmen. Das gab es schon vor ChatGPT. KI hat diese Fragen nicht verursacht, aber sie macht einige davon schwerer zu übersehen.

Für mich heißt das in diesem Schuljahr immer häufiger: den Blick von der Technologie wieder auf das Lernen zu richten. Wie wollen wir eigentlich lernen? Was brauchen junge Menschen, um selbstständig urteilen und entscheiden zu können?

Weniger KI, mehr Lernen ist deshalb so etwas wie mein fachliches Motto für dieses Schuljahr. Und vielleicht hat das mehr mit meinem Bullet Journal zu tun, als ich zunächst dachte: Persönlich wie pädagogisch möchte ich in diesem Schuljahr nicht immer sofort ins Machen kommen. Nicht jede spannende Anfrage muss in den Kalender. Nicht jede neue technologische Entwicklung muss sofort in den Unterricht.

Mein Journal soll mich daran erinnern. Mal sehen, was am Ende darin steht.