What? So what? Now what? Begleitung eines Teams Digitale Bildung in der Gründungsphase

In dieser Woche habe ich einen Workshop mit einem neu gegründeten Team „Digitale Bildung“ an einer BBS in Niedersachsen begleitet. Die Gruppe hat sich aus sechs engagierten Kolleg:innen heraus gebildet und steht am Anfang ihrer Arbeit. In der Vorbesprechung kamen große Fragen auf den Tisch: Wie gestalten wir digitale Bildung an unserer Schule? Wie entwickeln wir ein Leitbild, eine Roadmap? Was brauchen wir für ein Endgerätekonzept? Und wie können wir den nächsten Schulentwicklungstag zum Thema KI gestalten?

Schon in der Vorbereitung wurde mir klar, dass das zu viele Themen für den Start sind und das ist ja häufig der Klassiker: Eine Gruppe nimmt sich zu viel vor, will zu viel auf einmal. Aus meiner Sicht ist das oft ein Zeichen dafür, dass die klare Orientierung noch fehlt. Wofür sind wir als Team eigentlich zuständig? Was ist unser Auftrag, und was wollen wir erreichen und bewirken? Was können wir leisten und was nicht?

Deshalb hatte ich den Workshop eher als Auftakt und Findungsphase angelegt, nicht als konkrete Planungssession. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Wo stehen wir gerade? Was bewegt uns, wenn wir an Lehren und Lernen mit digitalen Medien denken? Worauf wollen wir unsere Energie als Team richten? Als roter Faden diente mir ein einfacher Drei-Schritt: What? So What? Now What?

Wir begannen mit einer kollektiven Bestandsaufnahme der IST-Situation, weil sich das Team noch in einer kooperativen Gründungsphase befindet. Dafür nutzten wir die Denkende Runde: Jede Person hat ein festes Zeitfenster zum Reden, alle anderen hören zu. Die Teilnehmenden brachten sehr unterschiedliche Perspektiven ein und daraus entstand ein stimmiges Gesamtbild:

IST-Situation: Was bewegt mich, wenn ich an Lehren und Lernen mit digitalen Medien an unserer Schule denke?

Diese Bestandsaufnahme war dann der Ausgangspunkt für den nächsten Schritt: Wie wollen wir als Team „Digitale Bildung“ in Zukunft wirksam werden? Für diese Phase nutzten wir die Zwei-Spalten-Methode: Wie können wir wirksam werden? Wie verhindern wir Wirksamkeit?

Ergebnisse der Zwei Spalten Methode:
Wie wollen wir wirksam werden? Wie verhindern wir Wirksamkeit?

Die Ergebnisse haben mich überrascht. Ich hatte erwartet, dass die Gruppe noch mehr strategische Schritte aus der IST-Situation ableitet. Hier zeigte sich sehr deutlich, wo die Gruppe gerade steht: Sie ist noch dabei, sich als handlungsfähiges Team zu etablieren, noch mitten in der Gründungs- und Orientierungsphase. Das war ein schwieriger Moment für mich als Moderatorin, weil ich nicht zu sehr eingreifen wollte, aber die Gruppe auch auf ihrem Weg unterstützen wollte.

Dann sollte es konkret werden: Worauf wollen wir als Team jetzt die Energie richten? Die Idee war, Entwicklungsfelder zu formulieren: Schulentwicklungstag, Fortbildungen für Kolleg:innen, Roadmap etc. und diese in einer Art Kanban-Board zu priorisieren: Was ist jetzt wichtig, was erst später? Das fiel der Gruppe eher schwer. Im Rückblick verstehe ich besser, warum: Priorisierung ist keine Methode, die man einfach anwendet. Priorisierung ist eine Entwicklungsleistung, die voraussetzt, dass ein Team ein gemeinsames Verständnis entwickelt hat, Rollen gefunden hat, Sicherheit gewonnen hat und gelernt hat, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Genau in diesem Prozess steht die Gruppe noch.

Ich bin insgesamt mit dem Vorgehen und den Ergebnissen sehr zufrieden und kann dieses Vorgehen zu Beginn der Arbeit eines „Teams digitale Bildung“ empfehlen. Ich verstehe den Drang, konkrete Maßnahmen zu entwickeln und konkret zu werden. Häufig endet dieses Vorgehen aber in einer Art „Projektitis“. Das kann verhindert werden, wenn sich zunächst damit beschäftigt, was sie eigentlich erreichen will.

Ich habe in diesem Workshop auch viel über meine eigene Rolle gelernt. Ich kann mit meinen Erfahrungen und Beispielen aus der Praxis eine Orientierung geben. Gleichzeitig merke ich, dass ich in Zukunft noch bewusster unterscheiden muss zwischen meiner Rolle als Kollegin mit Erfahrung und meiner Rolle als Fachberaterin für schulische Innovation. Das ist nicht dasselbe. Ich möchte lernen, Gruppen noch genauer in ihrer jeweiligen Entwicklungsphase wahrzunehmen: wann brauchen sie Orientierung, wann konkrete Beispiele, wann Struktur, und wann eher Fragen statt Antworten?

Ich denke, dass dieser Workshop für die Gruppe ein wichtiger Schritt war, um ihren eigenen Weg zu finden. Und vielleicht ist das eine der zentralen Aufgaben von Fachberatung schulischer Innovation: nicht vorschnell Lösungen zu liefern, sondern Entwicklungs- und Lernräume zu öffnen und gemeinsam sichtbar zu machen, was der jeweils nächste sinnvolle Schritt sein könnte.