In dieser Woche war ich zum 2. Mal an der ARS Limburg zum Thema „Lernen im Kontext von KI“ eingeladen. Beim Empfang ab 08:00 Uhr habe ich viele bekannte Gesichter gesehen und diese herzliche Willkommensatmosphäre, die den Tag von Anfang an gut eingefärbt hat, die hat sich durch den ganzen Tag gezogen, über den ich hier berichte. Vielleicht stehst du vor der Aufgabe, einen pädagogischen Tag für deine oder eine andere Schule zu gestalten und kannst dir hier Ideen holen.
Ich starte solche Tage gerne mit einer kurzen gedanklichen Einstimmung und einem anschließenden Austausch. Dazu hatte ich eine Kritzelvorlage vorbereitet: Was beschäftigt mich gerade bei KI? Erst für sich. Dann mit den anderen. Im Raum wurde es sehr lebendig und ich habe den Eindruck, dass dieser kollegiale Austausch im normalen Schulalltag oft zu kurz kommt und deshalb an solchen Tagen gut genutzt wird. –
Um den Kolleg:innen eine Orientierung zu KI in der Bildung zu geben, habe ich die Schieberegler-Logik von Nele Hirsch genutzt. Ich finde sie sehr hilfreich, um die eigene Nutzung von KI zu reflektieren und auch als Orientierung dahingehend, wo ich mich hin entwickeln möchte. Sie hilft auch dabei, weniger in der „Entweder-Oder“-Denke steckenzubleiben und mehr in Richtung „Sowohl-als-auch“ zu denken. Ich habe darüber hinaus das KI-Kompetenzmodell vorgestellt und auch einige Workflows und Tools, die ich für meine Arbeit als Lehrkraft nutze, um Lernsettings zu erstellen.
Anschließend gab es in einer Erkundungsphase die Möglichkeit einen von vier Workshops zu besuchen oder alleine oder in Kleingruppen mit Hilfe einer digitalen Lerntheke das Thema KI vor allem auf der Tool-Ebene zu erkunden. In meinem Workshop „Lernförderliche KI-Nutzung“ kamen wir sehr schnell in einen interessanten und intensiven Austausch über Lernkultur, selbstorganisiertes Lernen usw. Und das ist ja auch meine eigentliche Botschaft: Wir werden mit dem Thema KI an Schule nicht wirklich weiterkommen, wenn wir uns nicht intensiv damit auseinandersetzen, wie wir jetzt und in Zukunft LERNEN wollen.
Kurz vor der Mittagspause haben wir uns noch einmal im Plenum versammelt, um die Lernzeit für den Nachmittag gemeinsam zu planen. Dazu hat jede Lehrkraft die Frage, die Herausforderung oder den Gedanken aufgeschrieben, der oder die sie jetzt gerade beschäftigt beim Thema KI und woran sie weiterdenken oder zu der sie diskutieren möchte. In einer intensiven Austauschphase haben die Kolleg:innen die Themen geclustert und Überschriften gefunden, die sie dann bei mir abgegeben haben. Wähend der Mittagspause habe ich daraus dann einen Sessionplan für das Mini-Barcamp am Nachmittag erstellt. Schön war, dass wir in dieser Phase die Toolebene verlassen haben und mehr auf der Ebene gedacht haben, wie KI das Lehren und Lernen in Schule verändert. Es gab z.B. Sessions, wie
„Wie vermeiden wir, dass wir aufhören zu denken?” oder „Wie verändert KI das Lernen?“.
Nach dem Essen kam der Impuls, der mir am meisten bedeutet und den ich ebenfalls von Nele Hirsch übernommen habe: Zementmischer versus Komposterde. Nutzen wir KI, um alte Strukturen zu festigen, also noch mehr Arbeitsblätter, mehr Kontrolle, weiter Frontalunterricht? Oder nutzen wir sie, um etwas Neues wachsen und entstehen zu lassen? Eine neue Lernkultur, die viel mehr den Lernprozess und die Interessen der Lernenden in den Mittelpunkt rückt.
Anschließend ging es in die Sessions und es wurde in kleinen Gruppen diskutiert und an Ideen weitergedacht. Die Ergebnisse haben die Lehrkräfte in kollaborativen Dokumenten für alle festgehalten, so dass die KI-Gruppe der ARS Limburg über diesen Tag hinaus daran weiterarbeiten kann. Auch das ist mir an solchen Tag sehr wichtig: Wie schaffen wie die Brücke in den Alltag? Was bleibt von diesem Tag übrig? Ich hoffe sehr, dass die wertvollen Gedanken hier festgehalten wurden und das Kollegium dranbleibt.
In einem Abschlussplenum haben die Kolleg:innen den Tag noch einmal reflektiert und ihre Erkenntnisse mit Kolleg:innen ausgetauscht bzw. in einem anonymen Feedback Verbesserungsvorschläge für den Tag festgehalten. Ich habe mich über die vielen positiven Rückmeldungen, insbesondere bezüglich des Vortrags und der Mitgestaltungsmöglichkeit am Programm sehr gefreut.
Zwei Tage später kam bereits die Einladung der Schulleitung für den nächsten pädagogischen Tag zum Thema „Lernkultur“. Ich freu mich, dass ich offensichtlich etwas in Bewegung bringen konnte und komme gerne wieder nach Limburg an der Lahn.