In den letzten drei Wochen haben sich die Digital@BBS-Netzwerke getroffen und ich möchte dir in diesem Beitrag einen kurzen Einblick in diese Treffen geben. Drei Treffen, drei BBS als Gastgeber, drei ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Und doch zieht sich ein roter Faden durch alle Begegnungen: der gemeinsame Wille, das Lernen im Kontext von Digitalisierung und KI weiterzudenken, mit Neugier, Offenheit, Interesse und Austausch.
Netzwerk Digital@BBS I Region Hannover
Den Auftakt machte das Netzwerktreffen in der Region Hannover an der BBS ME. Der thematische Schwerpunkt war die Frage: Wie können wir eine schulweite KI-Strategie entwickeln und was steht ihr im Weg?
Für die Erarbeitung haben wir die Zwei-Spalten-Methode genutzt: In kleinen Gruppen haben wir gesammelt, wie wir eine KI-Strategie entwickeln können was sie verhindert. Die Ergebnisse waren vielschichtig:

Auf der grünen Seite (Wie können wir sie entwickeln?): eine ausgewogene Projektgruppe, Best-Practice-Beispiele, die den Mehrwert sichtbar machen, ein Prompt-Labor, ein KI-Konzept für Lehrende und Lernende, eine gemeinsame Haltung, einheitliche Infrastruktur, Freiräume zum Ausprobieren, Werteorientierung und eine Motivations-Prompt-Sammlung. Außerdem: Lehren mit, über, trotz und ohne KI – diese Vierheit hat mich sehr angesprochen, weil sie das Thema nicht verengt, sondern aufweitet.
Auf der roten Seite (Was hindert?): fehlende Fortbildungen, Unsicherheiten beim Datenschutz, mangelnde Verbindlichkeit und fehlende Anrechnungsstunden, aber auch: Resignation gegenüber sich wandelnden Bedingungen, Quantität statt Qualität, keine Unterstützung durch die Schulleitung und der Reflex, Entwicklungen einfach zu ignorieren.
Was mich anschließend besonders gefreut hat: Eine Kollegin hat beim Treffen von ihren ersten Erfahrungen mit Cool-flex im Beruflichen Gymnasium berichtet. Genau das ist es, worum es im Netzwerk geht: Erfahrungen und Projekte teilen und gemeinsam daran weiterdenken.
Zum ersten Mal habe ich in diesem Setting außerdem die „Denkende Runde“ eingesetzt: Jede Person spricht nacheinander, alle anderen hören zu, ohne Unterbrechung, ohne Nachfragen und mit voller Aufmerksamkeit. Was dabei entsteht, ist eine ganz andere Qualität von Gespräch. Es entschleunigt, es vertieft, es gibt jedem Redezeit. Ich war wirklich beeindruckt davon, wie viel tiefer die Beiträge werden, wenn niemand das Gefühl hat, sofort reagieren oder sich rechtfertigen zu müssen. Diese Methode werde ich in Zukunft öfter einbauen. Ich mag sie, weil sie gleichzeitig partizipativ und demokratisch ist und sie passt wunderbar in Räume, in denen Austausch stattfinden soll.
Netzwerktreffen Digital@BBS Lüneburg I BBS OHZ
Das zweite Treffen fand an den Berufsbildenden Schulen Osterholz-Scharmbeck statt. Ich konnte dieses Mal leider nicht dabei sein, da ich Fachberaterin einen anderen Termin hatte, den ich nicht verschieben konnte. Umso schöner, dass Martin Janik und das Medienteam der BBS OHZ die Organisation vor Ort so engagiert übernommen haben.
Die BBS OHZ hatte viel aus der eigenen Schulentwicklung zu zeigen und zu berichten:
Zwei Impulse bildeten den inhaltlichen Kern:
Lernen in eigener Verantwortung. Ein pädagogisches Konzept, das Schüler:innen Schritt für Schritt in die Selbststeuerung ihres Lernens führt: mit klaren Lernaufträgen, einem Graduierungssystem in drei Stufen (Neueinsteiger – Durchstarter – Lernprofi), verschiedenen Raumtypen und der Lehrkraft als Lernbegleiterin statt Wissensvermittlerin. Im Kern wird den Lernenden wirklich etwas zugetraut und es zeigt gleichzeitig, dass diese das Vertrauen zurückgeben. Fehlzeiten wurden gedrittelt, das Lernklima entspannte sich spürbar, schulvermeidende Schüler:innen kamen wieder regelmäßiger (Die Präsentation dazu findest du im Moodlekurs des Netzwerks).
Zum anderen nahm die BBS OHZ die Teilnehmenden mit auf eine Reise durch ihre eigene Schulentwicklung der letzten Jahre: ein langer Weg hin zu neuen Lernräumen, sogenannten Bereichshäusern. Inputräume, Teamräume, Flüsterräume, Tüddelkoje. Räume, die pädagogisch gedacht sind. Die Schule hat diesen Prozess selbst gestaltet: mit Besuchen bei anderen Schulen, einem Raumfunktionsbuch und Visionen für Unterricht in diesen Räumen.
Im Anschluss gab es Führungen durch die neuen Bereichshäuser und einen Austausch im Barcamp-Format zu Themen wie Lernen mit Moodle, alternative Prüfungsformate und der Umgang mit digitalen Tools zur Lernerfolgskontrolle.
Digital@BBS Region Braunschweig: BBS II Göttingen
Das dritte Treffen in Göttingen hatte wieder andere Schwerpunkte. Ich bin mit der Vier-Ecken-Methode gestartet: Welche Frage oder Information hast du mitgebracht? Und geht es eher in Richtung Smiley oder „Weiny”? Diese Eröffnung hatte ich bewusst gewählt, um zu verdeutlichen, dass das Netzwerk ein partizipativer und offener Raum ist, in dem die Themen der Teilnehmenden zählen.

Aus diesem Einstieg entwickelte sich eine sehr intensive Diskussion über die aktuellen Megatrends Digitalisierung und KI und was das konkret für uns als Lehrkräfte bedeutet. Wie gehen wir damit um? Was macht das mit Bildung? Wo stehen wir gerade? Alle Ideen und Inspirationen aus dieser Phase hielten wir anschließend in diesem kollaborativen Dokument fest.
Dazu kamen weitere Beiträge, die gezeigt haben, wie viel in unseren Netzwerken steckt: Anja Post von der BBS Einbeck hat ein beeindruckendes, selbst entwickeltes Tool zur Materialerstellung vorgestellt, das sie speziell für ihr Kollegium gebaut hat. Eine Kollegin hat vom Berufsschultag der GEW in Hannover berichtet. Und wir haben uns mit der Frage beschäftigt, wie ein guter Umgang mit Smartphones und digitalen Endgeräten im Unterricht aussehen kann: nicht als Verbotsdiskussion, sondern als Gestaltungsaufgabe. Diese Ideenentwicklung wollen wir beim nächsten Treffen weiterführen.
Was bleibt?
Drei bereichernde Treffen. Jedes Treffen hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene Energie, seine eigenen Themen. Und jedes Mal erlebe ich, wie viel Expertise, Engagement und Gestaltungswille in den Kolleg:innen der BBS steckt.
Die Netzwerke sind Orte und Räume für Austausch, Ideen und Fragen, an denen wir gemeinsam weiterdenken. Falls du dich dafür interessierst, dann schreib mir gerne per Mail: melanie.dahm@rlsb.de
Termine und Orte für die nächsten Treffen:
- Region Hannover: 05. Oktober 2026 im Studienseminar Hannover
- Region Braunschweig: 06. Oktober 2026 in der BBS Gifhorn
- Region Lüneburg: 09. September 2026 in der BBS I in Stade
- Region Osnabrück: 13. April 2026 in der BBS Papenburg