Distanzunterricht als Chance für selbstorganisiertes Lernen

Der Blick aus dem Fenster bestätigte heute Morgen, was die Wetter-Apps schon angekündigt hatten: Schneesturm. Da unsere Schulleitung den Distanzunterricht aufgrund der klaren Prognosen schon frühzeitig festgelegt hatte, konnten wir rechtzeitig alle Vorbereitungen treffen. Eine gute Planung halte ich für das Gelingen von Distanzunterricht für sehr wichtig. Wir konnten die Zeit also nutzen, um im Klassenteam Absprachen zu treffen, die Abläufe in Ruhe zu strukturieren und die Schüler:innen über IServ zu informieren.

Routine statt Panik Dass wir heute so ruhig in den Tag starten konnten, liegt auch daran, dass wir den Distanzunterricht einmal pro Schuljahr geplant üben. Meist um die Herbstferien herum findet an unserer Schule eine geplante Woche komplett im Distanzunterricht statt. Nicht als Notlösung, sondern als Training. Das hat sich heute ausgezahlt: Alle wussten, was zu tun ist. Wir konnten prinzipiell einfach den Schalter umlegen.

Wir Lehrkräfte und Schüler:innen waren bestens vorbereitet, unser Internet leider nicht. Zwischen 8 und 10 Uhr sind sehr viele Klassen gleichzeitig mit einer Videokonferenz gestartet, sodass unser System total überlastet war und wir reihenweise aus den Konferenzräumen geflogen sind.

Das führt natürlich zu Frust. Wir hatten die Zeit genutzt, um uns Gedanken zu machen, wie wir die Schüler:innen morgens gut abholen können und dann scheitert es an der Bandbreite. Das nervt und kostet Nerven. Die Lehre daraus: Wir könnten diese Stoßzeiten vielleicht noch stärker entzerren.

Abseits der Technik zeigt sich aber, warum unser Konzept wichtig ist. Wir bilden den Präsenzunterricht bewusst nicht 1:1 digital ab. Niemandem ist geholfen, wenn Schüler:innen von einer Videokonferenz in die nächste gejagt werden. Stattdessen setzen wir auf Selbstorganisation. Das Klassenteam erstellt vorab einen Plan, die Schüler:innen erhalten ihn zur Orientierung (meinen Plan von heute findet ihr unten zum Download) und teilen sich ihre Zeit dann selbst ein.

Wie gut das funktioniert, hat mir meine Videokonferenz am Nachmittag gezeigt (als die Leitungen wieder stabil waren). Da viele Schüler:innen ihre Kameras auslassen und ungern vor der großen Gruppe sprechen, starte ich gerne mit einer Unterhaltung im Chat.

Ich habe gefragt: Was findet ihr gut am Distanzunterricht? Die Antworten waren eindeutig:

  • „Arbeiten im eigenen Tempo.“
  • „Gemütliche Atmosphäre im Zimmer.“
  • „Ich kann Pausen machen, wann ich will.“

Auf meine Frage, wie wir diese Vorteile in die Schule holen können, schrieb jemand einen Satz, der mir sehr zu denken gibt: „Ich kann einfach in der Schule nicht lernen.“

Dieser Satz bestätigt einerseits unser Konzept des selbstorganisierten Lernens. Er zeigt aber auch, dass für manche Schüler:innen die Ruhe zu Hause essenziell ist, um sich überhaupt konzentrieren zu können.

Technisch lief es am Nachmittag dann rund. Ich konnte die Klasse in Breakout-Räume schicken, wo sie sich über ihre Ergebnisse austauschten, und wir haben live in einem kollaborativen Dokument gearbeitet. Das Feedback war super: Der Austausch hat vielen neue Ideen für die Weiterarbeit gegeben.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für mich das „schwarze Loch“. Auf meine Nachfrage, warum die Kameras aus bleiben, waren die Antworten: „Ich sitze noch im Schlafanzug“ oder „Ich bin nicht zurechtgemacht“. Die Freiheit und Gemütlichkeit, die sie am Distanzunterricht so schätzen, ist also genau der Grund, warum wir uns nicht sehen. Das finde ich schade, weil der visuelle Kontakt fehlt, aber eine wirkliche Lösung habe ich dafür aktuell auch nicht.

Fazit Trotz der technischen Hürden am Morgen hat der Tag gut geklappt. Er war keine „ausgefallene Unterrichtszeit“, sondern Trainingszeit für Selbstorganisation. Und er hat mir durch das Feedback der Schüler:innen wieder gezeigt, wie wichtig Phasen der Ruhe und des eigenen Tempos sind.

Material zum Download Damit ihr eine Vorstellung bekommt, wie so ein strukturierter Tag bei uns aussieht, stelle ich euch meinen Ablaufplan von heute hier zur Verfügung.