Vor den Weihnachtsferien erhielt ich eine Anfrage von Co-WOERK, einer Community zum Wissenstransfer der Hochschule Neubrandenburg. Die Frage war, ob ich als Lehrkraft in einem Community Call über meine Praxis des Teilens berichten könne.
Das hat dazu geführt, dass ich mich mit der Frage beschäftigt habe, was genau für mich eigentlich „Teilen“ bedeutet. Mir war klar: Meine Kultur des Teilens ist mehr, als bloß Unterrichtsmaterialien oder fertige Arbeitsblätter hochzuladen. Hinter dem Teilen steckt für mich eine Haltung.
Teilen ist meine Art zu lernen Ich sehe mich selbst ständig in einem Lernprozess. Das Teilen ist für mich deshalb kein Zusatz, kein „Extra“, das ich mache, wenn die eigentliche Arbeit erledigt ist. Es gehört fest in meinen Workflow.
Natürlich kostet das Zeit. Da mache ich mir nichts vor. Ich muss mir diese Zeit aktiv nehmen. Aber ich habe gemerkt, dass diese Zeit wertvoll ist, denn sie ist reine Reflexionszeit. Ich zwinge mich selber immer wieder, meine Praxis zu reflektieren. Wenn ich meine Gedanken für andere aufschreibe oder Material aufbereite, durchdenke ich meinen eigenen Lernprozess noch einmal ganz neu. Das Teilen ist mein Lernen.
OER auf drei Ebenen Zu dieser Praxis bin ich nicht theoretisch gekommen, sondern durch Erleben, vor allem auf OER-Camps. Inzwischen praktiziere ich Open Educational Resources ganz konkret auf drei Ebenen:
- Ich nutze OER: Ich profitiere enorm davon, dass andere ihre Gedanken und Tools teilen. Ich arbeite im Alltag sehr viel mit Plattformen wie ZUM-Pad, LearningApps, KidsBlog oder Coco Material.
- Ich erstelle OER: Ich teile mein eigenes Material offen und stelle es bewusst unter CC-Lizenzen, damit andere es weiternutzen und verändern können.
- Ich vernetze mich: Der Austausch ist mir wichtig. Deshalb besuche ich regelmäßig OER-Camps und trage diese Haltung in mein Kollegium. Wir teilen zum Beispiel im Bildungsgang unsere ausgearbeiteten Lernsituationen für alle.
Vom Lehrerzimmer in den Unterricht Mir ist wichtig, diese offene Haltung auch mit meinen Schüler:innen zu praktizieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, offenes Teilen zu erleben. Ich will, dass sie spüren, wie sehr wir davon profitieren, wenn wir Wissen nicht bunkern.
Im Unterricht nutze ich dafür kollaborative Tools wie z. B. TaskCards. Dort teilen die Lernenden ihre Ergebnisse oder wir sammeln gemeinsam Fragen. Sie merken dabei schnell: Wenn wir unser Wissen zusammenwerfen, hilft das allen weiter. Dabei erlebe ich durchaus auch Widerstände – zum Beispiel Schüler:innen, die nicht möchten, dass andere von ihren Ideen profitieren. Das nutze ich immer als Gesprächsanlass und versuche, die Chancen des Teilens in den Fokus zu rücken.
Genau das Gleiche versuche ich, wenn ich Fortbildungen gebe oder pädagogische Tage begleite. Ich organisiere z. B. gerne ein kollaboratives Barcamp, damit die Teilnehmenden spüren: Es macht Spaß, wenn ich mich und meine Gedanken einbringen kann.
Meine digitale Werkstatt All das bündele ich hier auf meiner Webseite. Ich sehe sie weniger als Schaufenster für perfekte Produkte, sondern als meine „digitale Werkstatt“. Ich teile hier nicht, weil ich denke, dass meine Ideen und Materialien perfekt sind. Ich teile, um mein Lernen sichtbar zu machen – für mich und für andere. Es ist eine Einladung an dich, daraus eigene Ideen zu entwickeln und daran weiterzudenken.
Mut zum Unperfekten Wenn es eine Sache gibt, die wir Lehrkräfte verändern sollten, um eine echte Kultur des Teilens zu entwickeln, dann ist es der Anspruch an Perfektion. Wir sollten nicht warten, bis etwas „fertig“ oder „super“ ist. Ich bin überzeugt, dass gerade das Teilen von Unfertigem und Unperfektem oft mehr hilft als das glatte Produkt. Es bietet Anknüpfungspunkte und inspiriert zum Denken.