Beim Lesen des Kapitels „Impulse geben“ in Nele Hirschs Buch „Lerngestaltung weiterdenken“ habe ich viel darüber nachgedacht, wie ich selbst im Unterricht oder in Fortbildungen Impulse setze und ob meine Impulse so angelegt sind, dass sie wirklich zum Weiterlernen anregen.
Im Kapitel geht es darum, eine Balance zu finden zwischen dem Geben von Impulsen und dem Präsentieren fertiger Antworten. Ein guter Impuls eröffnet Möglichkeiten, ohne gleich ein Ergebnis vorzuschreiben. Er schafft eine inhaltliche Grundlage, lädt zum Weiterdenken ein und lässt Raum für eigene Perspektiven.
Besonders hängen geblieben ist bei mir der Gedanke, dass ein Vortrag selbst als Lernreise gestaltet sein könnte. Wenn ich laut denke, Prozesse offenlege und auch Unsicherheiten benenne, wird daraus eine Einladung an andere, sich selbst auf den Weg zu machen. Wenn Zuhörende spüren, dass etwas aus echter Erfahrung kommt, motiviert das eher, selbst aktiv zu werden, als wenn ich einfach nur fertige Ergebnisse präsentiere.
Beim Lesen habe ich mich gefragt, wie offen meine eigenen Lernimpulse im Unterricht tatsächlich sind. In der beruflichen Bildung, wo wir in Niedersachsen mit beruflichen Handlungssituationen arbeiten, ist genau das unser Ziel. Die Handlungssituation wirft ein Problem auf, das dann von den Lernenden gelöst werden soll, indem sie planen, entscheiden, sich informieren, durchführen, kontrollieren und reflektieren.
Eigentlich soll diese Struktur den Lernenden viel Offenheit ermöglichen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich aber vorher schon im Kopf, welchen Weg die Schüler:innen dabei gehen sollen und gebe damit wenig Raum für eigene Wege.
Spannend fand ich auch Neles Idee, kuratierte Inhalte anzubieten: also verschiedene Materialien, Aufgaben oder Links so zusammenzustellen, dass sie eigenständiges Lernen ermöglichen. Das kann zum Beispiel mit Taskcards oder NotebookLM geschehen, mit dem Ziel, Selbstarbeit, Freiraum und eigene Auseinandersetzung zu fördern. Das setze ich in meinen Fortbildungsangeboten bereits häufig um, etwa in Form einer Lerntheke mit Taskcards.
Dabei fällt mir allerdings immer wieder auf, dass viele Lehrkräfte in Fortbildungen diese Materialien weniger zum eigenen Lernen nutzen, sondern sofort überlegen, wie sie sie im Unterricht einsetzen können. Ich glaube, davor braucht es einen Schritt: selbst Lernende sein.
Erst wenn ich eine Methode, ein Tool o.ä. am eigenen Lernen erlebe, mit Aha-Momenten, Stolpersteinen und echten Fragen, kann ich sie didaktisch klug übertragen. Das schafft Modellwirkung für Lernkultur, schärft die Metakognition, senkt Berührungsängste (gerade bei KI) und verhindert, dass Methoden zu bloßen Tool-Rezepten werden. Erst erleben, dann übersetzen.
Mein Ziel ist eigentlich, eine Kombination aus Impuls und Transfer hinzubekommen. Ein Impuls bleibt oberflächlich, wenn er nichts in Bewegung bringt. Deshalb möchte ich noch stärker mit Transfer-Methoden arbeiten, bei denen Lernende das Gehörte oder Gesehene in eigene Gedanken übersetzen können, zum Beispiel mit
- kurzen Murmelphasen in einem Vortrag, um Gehörtes zu rekapitulieren,
- Fragenkarten, die im Anschluss getauscht werden, oder
- kleinen Reflexionsfragen wie: „Wie kannst du das für dein Lernen nutzen?“

Ein Beispiel aus meiner letzten Fortbildung mit dem Studienseminar für LbS zeigt, wie so ein Transferprozess aussehen kann:
Nach einer Erkundungsphase habe ich einen Kartentausch zum aktiven Austausch geplant. Normalerweise lasse ich dafür ein Sprachmodell Statements generieren, über die die Teilnehmenden anschließend diskutieren. Dieses Mal wollte ich, dass die Impulse aus der Gruppe selbst kommen.
Jede:r Teilnehmende hatte auf dem Platz eine farbige Karte:
- Weiß: „Was habe ich in der Erkundungsphase Neues gelernt?“
- Rosa: „Was bereitet mir im Hinblick auf den Einsatz von KI in der Lehrkräfteausbildung Sorge?“
- Grün: „Welche Chancen sehe ich im Einsatz von KI in der Lehrkräfteausbildung?“
Nachdem alle ihre Gedanken notiert hatten, begann der Kartentausch: Die Fachleitungen tauschten ihre Karten, stellten sich gegenseitig ihre Statements vor und kamen so ins Gespräch. Zum Abschluss hängten wir die Karten sortiert an eine Stellwand, sodass alle die Ergebnisse noch einmal lesen konnten.
Diese Form des Kartentausches mit selbst formulierten Statements hat mir sehr gut gefallen, sie hat die Stimmung in der Gruppe sichtbar gemacht und zugleich echtes, aktives Lernen ermöglicht.
Ich merke, dass solche kleinen Transfermomente oft mehr bewirken als große Impulse, weil sie Lernen(-de) wirklich in Bewegung bringen.