Schwarz oder weiß? Beides!

KI in der Schule braucht Ambiguitätstoleranz

KI ist ambivalent. Sie bringt Chancen und Herausforderungen und oft sogar beides gleichzeitig.


Gestern habe ich die Lehrkräfte der beruflichen Fachrichtung Sozialpädagogik der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg in einem Workshop zu „Lernen im Fokus von KI“ begleitet.

Auf dem Schulhof stand dieser Kicker: Schwarz und Weiß, zwei Teams, die gegeneinander spielen. Das passte sehr zu meinem Impuls zu Beginn des Workshops: KI an sich ist nicht gut oder schlecht. KI ist sehr ambivalent!

Das bedeutet, dass wir aushalten, dass Dinge widersprüchlich sein können und dass wir lernen, mit diesen Spannungen umzugehen: KI kann dazu führen, dass Schüler:innen Abkürzungen nehmen, nicht mehr selber denken und die Aufgaben von ChatGPT erledigen lassen. Und gleichzeitig kann der Einsatz von KI dazu führen, dass Schüler:innen individuelle Lernwege gehen. Anstatt einem vorgegebenen Weg der Lehrkraft zu folgen, können sie mit KI ihren eigenen, personalisierten Lernprozess gestalten.

Das fällt uns Lehrkräften schwer, weil wir so gerne den Lernweg unserer Schüler:innnen planen.

Das Thema KI führt dazu, dass wir uns neue Kompetenzen aneignen müssen, uns mit Tools beschäftigen müssen und das Lernen ganz neu gestalten müssen. Also Mehrarbeit in unserem ohnehin vollen Alltag. Der Einsatz von KI kann uns aber auch entlasten. Aufgaben, die viel Zeit fressen, aber wenig mit unserem eigentlichen pädagogischen Auftrag zu tun haben, können durch KI unterstützt werden, zum Beispiel das Erstellen von Zeugnissen, das Sortieren von Daten oder das Schreiben von Mails. Ich persönlich freue mich auf den Tag, an dem mich KI bei der Zeugnisschreibung unterstützt, damit ich meine Energie auf die pädagogische Arbeit richten kann.

Wir stehen vor der Aufgabe, Spannungen auszuhalten. Hilfreich finde ich dabei die Shruggie-Haltung, die ich in meinen Impulsvortrag eingebaut habe:

Dazu habe ich neulich den Satz gelesen: Gönnen wir uns doch mal diese Ratlosigkeit! Kreativität entsteht aus einem Mangel heraus und zur Zeit haben wir noch nicht viele gute Ideen, wie wir das Lernen jetzt gestalten können, aber die werden kommen, ich bin mir sicher!

Wenn wir als Lehrkräfte eine Ambiguitätstoleranz entwickeln, können wir KI bewusst gestalten und unsere pädagogisch-didaktische Expertise einsetzen, um Lernen jetzt im Fokus von KI neu zu gestalten.

Wie beim Kicker gilt auch beim Thema Schule und KI: Schwarz und Weiß gehören zusammen und im Zusammenspiel kann etwas Neues entstehen. Wir können es gestalten.

Ich hab‘ mich in Limburg darüber gefreut, dass sich die Diskussion im Laufe des Tages sehr um das WIE gedreht hat. Wie können wir das Lernen jetzt gestalten.