KI in der beruflichen Fachrichtung Pflege

„Ich hab’ heute richtig was gelernt“, dieses Feedback einer Kollegin klingt mir noch nach, während ich auf dem Weg zum nächsten Workshop nach Limburg bin. Heute war ich an der BBS Anna Siemsen in Hannover, wo ich gemeinsam mit der Bildungsgangleitung eine Fortbildung vorbereitet und schließlich für die Lehrkräfte im Bildungsgang Pflege durchgeführt habe. Thema: KI für Lehrkräfte im Berufsbereich Pflege.

Ich steige gerne mit einer Austauschphase ein, ganz bewusst, weil das den Workshop sofort auflockert und alle ins Thema hineinzieht. Auch heute habe ich wieder das Zine genutzt, das sich die Teilnehmenden selbst falten. Schon dieses gemeinsame Blättern und Basteln wird zum Gesprächsanlass und schafft eine Atmosphäre, in der sich alle leichter auf die folgenden Fragen und Gedanken zu KI einlassen.

Nach dieser Einstimmung habe ich meinen Input gesetzt, nicht als klassischen Vortrag, sondern als Einladung zum Mitdenken. Besonders wichtig war mir diesmal ein Gedanke: KI zwingt uns, über das Lernen selbst nachzudenken. Es reicht nicht, neue Tools in bestehende Routinen einzubauen. Vielmehr brauchen wir eine neue Lernkultur, die junge Menschen befähigt, sich in einer von KI geprägten Welt orientieren und handlungsfähig bleiben zu können.

Gerade im Bereich Pflege spüre ich immer wieder, wie groß die Herausforderung im Umgang mit digitalen Medien noch ist. Meine Sorge ist, dass sich mit dem Thema KI diese Lücke noch vergrößert. Während in kaufmännischen oder IT-nahen Berufen digitale Selbstverständlichkeit herrscht, drohen klassische Care-Berufe aus meiner Sicht abgehängt zu werden. Der Digital Divide zwischen digital affinen Lehrkräften und denen, die digitalen Medien sehr kritisch gegenüber stehen, würde sich damit nicht schließen, sondern weiter vertiefen. Hier braucht es noch mehr Diskussion und Aufklärung über das Lernen in der Digitalität.

Ein weiterer Gedanke, der mich heute nach dem Workshop beschäftigt ist der, dass wir uns In Schule noch so sehr an reine Wissensanhäufungen klammern. Sobald ich erzähle, dass ich im Unterricht viel Raum für Reflexion über KI lasse, kommt fast immer die Frage: „Und wie schaffen Sie dann noch den Stoff bis zur Prüfung?“ Meine Antwort ist: Wir sind kein dreijähriger Prüfungsvorbereitungskurs. Berufsschulen sind Bildungseinrichtungen, die junge Menschen für Gegenwart und Zukunft handlungsfähig machen sollen. Natürlich gehört Prüfungsvorbereitung dazu, aber sie darf nicht der alleinige Maßstab sein.

Nach der Mittagspause ging es mit einem Kartentausch weiter: KI Statements, die zur Reflexion über KI in der Bildung anregen und im Gespräch von Hand zu Hand wanderten. Daran anschließend habe ich noch ein paar Impulse gegeben, unter anderem habe ich das Strukturmodell von Joscha Falck (Lernen über, mit, ohne, trotz und durch KI) vorgestellt, das hilfreiche Anknüpfungspunkte für die weitere Arbeit im Bildungsgang bietet. Den Abschluss bildete das Worldcafé: In wechselnden Runden tauschten sich die Teilnehmenden zu Leitfragen aus, sammelten Ideen für die Weiterarbeit im Bildungsgang.

Insgesamt war der Tag an der Anna Siemsen Schule für mich sehr bereichernd. Besonders die Nachfragen der Kolleginnen haben mir gezeigt, dass meine Gedanken nicht einfach abgenickt wurden, sondern als Impulse angekommen sind. Und in der Praxisphase war die Neugier spürbar: Da wurde viel ausprobiert, ausgetauscht und diskutiert, genau die Offenheit, die es für den Umgang mit KI braucht.